
Anfang
August 2009 wurde dieses zweite große, abendfüllende
Gospelwerk zunächst fertig gestellt, dann aber - im
Jahr 2010 - noch einmal für größere Werkänderungen
zurückgenommen. Hier nun liegt es in der endgültigen
Form vor.
Ca. 10 Jahre nach der Gospelmesse HE, welche mittlerweile ihren festen Platz in der Gospelszene hat. ist ein Gospel-Oratorium
(gospel oratorio), welches sich mit der
erschütternden, aber letztlich auch ermutigenden
Geschichte der orientalischen Stadt Niniveh
auseinandersetzt:
40 Tage Zeit zur Umkehr sollten den Bewohnern Ninivehs gewährt werden - so hieß Gottes Auftrag an Jonas zur Verkündigung in der Stadt -, bevor diese zerstört wird. Denn die Stadt war voller Habgier, Geld- und Machtsucht, Korruption und Verbrechen. Humanität und Mitmenschlichkeit kannte man nicht, jeder dachte an sich und seinen eigenen Vorteil. Weder wurde Rücksicht auf die Schwachen in der Gesellschaft genommen, auf die Frauen und die Kinder, noch auf die Umwelt: Niniveh war ein einiges Sündenpfuhl... ![]() Jonas
hatte zunächst große Furcht vor diesem Auftrag,
sollte er sich doch mitten in die Hölle begeben. Er
fürchtete nicht nur, nicht gehört zu werden, sondern
vor allem um sein Leben. Deshalb versuchte er
zunächst, vor Gott und diesem Auftrag zu fliehen.
Dies gelang nicht, und Jonas musste schließlich
seinen Auftrag ausführen. Er begab sich in die
verhasste Stadt und predigte Umkehr.
Hier
beginnt unser Werk.
Jonas mahnte die Bewohner Ninivehs zu Mitmenschlichkeit und Humanität und zum Verzicht auf Geldgier und Gewinnsucht. ...Nun geschah das Unglaubliche... Statt den Prediger aufgrund dessen unverschämter Forderungen anzugreifen, fiel die Stadt in eine tiefe Trauer. So, als hätte man lange schon auf diese mahnende Stimme gewartet, waren die Menschen zur sofortigen Umkehr bereit. Und selbst der König - und hier geschah noch Unglaublicheres! - hüllte sich in Sackkleider und schloss sich dem trauernden und umkehrbereiten Volk an: Ein Herrscher, der auf die Stimme eines einzelnen Mahners hört: The great king hears with noble
rest
his trembling voice, his vast request. Imagine: He’s a king of might And struggle for power is his fight. Incredible, unbelievable, he takes his royal choice, incredible, unbelievable, and hears the warning voice. Das
gospel oratorio NINIVEH greift einen Text des Syrers
Ephrem (306-373 n.Chr.) auf und verwendet dazu eine
Übersetzung von Henry Burgess; weitere Texte stammen
von John McCrae und dem Komponisten selbst.
Die Musik ist - wie schon zuvor bei HE - eine gelungene Mischung aus Gospel, Jazz, Pop und Rock. Als Instrumente werden Alt-Saxophon, Piano, Drums und E-Bass benötigt; der Chor singt vierstimmig. Eine Sopran-Solostimme ist ebenfalls bei der Originalbesetzung vorgesehen. Die Aufführungsdauer liegt bei einer guten Stunde. Insgesamt vereint das Werk 21 verschiedene Stücke; zusätzlich dazu gibt es Rezitative (nur Solo mit Klavier), deren Text aber auch gesprochen oder einfach nur im Programm abgedruckt werden kann. Da
die Auslieferung des Notenmaterials erst im April
2011 begann, gibt es noch keine Einspielungen des
Werkes, und damit natürlich auch keine authentischen
Hörbeispiele (Wer macht die Uraufführung und liefert
die erste CD?).
Dennoch kann man sich anhand der Computerrealisationen (mp3) - hier nun sind sämtliche Stücke zu hören! - eine Vorstellung vom Klang machen. Dazu ist auch der Beginn des jeweiligen Satzes in Notenform als pdf-Datei zu sehen:
![]() Nun zur Aufführungspraxis von Niniveh: Das Werk ist geschrieben für vierstimmigen Chor (S A T B) und Sopran-Solo, die genaue Besetzungsliste finden Sie oben. Insgesamt gibt es 7 Stücke, bei denen die Solo-Sopranistin beteiligt ist, der Chor singt bei 15 Stücken mit. Weiterhin benötigt man bei 2 Stücken einen Solisten oder eine Solistin, dies kann man variabel gestalten. Die Rezitative sind keine Rezitative im historischen Sinne, keine Dialogelemente, keine Handlungsträger. Lediglich dienen sie der Festigung einzelner Situationen und auch der klanglichen Abwechslung. Eventuell kann man auf ihre Ausführung auch verzichten (s.o.). Sie sind zwar für Bassstimme notiert, können aber auch von anderen Stimmlagen ausgeführt werden. Phrasierung und Dynamik sind nur an einzelnen Stellen vorgegeben. Sie sollten recht frei und mit viel Jazz-Feeling behandelt werden. Noch ein paar Gedanken zum Schluss! Sicherlich ist die Wahl dieses Sujets kein Zufall! Das, was wir in Niniveh vorfanden, prägt auch unsere heutige, ach so geschäftige Welt. Auch hier stehen Rücksichtnahme und Verantwortlichkeit nicht immer im Vordergrund. NINIVEH ist daher ein unglaublich aktuelles Werk! Aber aktuelle Missstände werden in NINIVEH nicht angeprangert, kein Politiker wird attackiert und es findet auch keine Anklage gewinnsüchtiger Banker statt, sondern alles spielt sich in grauer Vorzeit ab und umgeht damit direkte aktuelle Bezüge. Und das Tollste: Bei all dem Übel ist "Niniveh" (es basiert ja auf dem alttestamentarischen Buch Jonas) ein optimistisches Oeuvre. Bietet es doch Alternativen und Möglichkeiten an, etwaigen schlimmen Folgen zu entgehen: Hier wird die Stadt nicht zerstört, sondern durch die rechtzeitige Umkehr und Besinnung der Niniveten zu Moral, Mitmenschlichkeit und Hochachtung der Schöpfung - letztlich aber durch die Gnade Gottes - gerettet. Wenn dies kein Auftrag an uns alle ist: zum Jonas werden und zur Umkehr mahnen. Aber ohne den Voyeurismus und die Sensationsgier der "falschen Propheten." Vielleicht erhören uns ja dann auch unsere Herrschenden, so wie dies in Niniveh der Fall war. (Harry Schröder -
Komponist, Herausgeber und Verleger)
Falls Sie mir Ihre Meinung zu diesem Werk schreiben wollen: schroedermusik@yahoo.de Hier können Sie das Notenmaterial bestellen: |